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Die Geschichte der menschlichen Ernährung

22.11.2021 – Autorin: Leonie Poppe, Pharmazeutin


Die letzten paar hundert Jahre haben das Leben der Menschen nachhaltig verändert, auch in der Ernährung – dabei wird oft übersehen, dass diese Zeiträume in der Evolution nur einen Wimpernschlag bedeuten. Also unterscheiden wir uns zumindest auf biologischer Ebene, kaum von unseren steinzeitlichen Vorfahren. In dieser Hinsicht ist ein kleiner Streifzug durch die Geschichte der menschlichen Ernährung sicher spannend.

Jeder Organismus ist auf Zufuhr von Energie angewiesen, so auch der Mensch. Makronährstoffe, also Kohlenhydrate, Fette und Proteine sowie Mikronährstoffe, die sich aus Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen zusammensetzen, müssen regelmäßig in einer evolutionär gewachsenen Zusammensetzung über Nahrung konsumiert werden.[1] Das Nahrungsangebot und die daraus resultierenden Essgewohnheiten unserer steinzeitlichen Vorfahren bestimmen also immer noch unsere Ernährung und somit unseren Einkaufszettel. Auch wenn wir zur Beschaffung unserer Lebensmittel nicht mehr täglich durch die Wälder streifen müssen, sondern nur ums Eck in den nächsten Supermarkt gehen. Woraus bestand also die Nahrung damals und welche Zeiträume umfasst die menschliche Evolution?

1. Der Mensch erscheint auf der Bildfläche

Die Gattung Homo aus der Familie der Menschenaffen entwickelte sich nach heutigem Stand der Wissenschaft vor etwa zwei bis drei Millionen Jahren. Der moderne Mensch, zu dem wir heute auch zählen, also der Homo Sapiens, ist demnach etwa 300.000 Jahre alt und entstand ursprünglich in Ostafrika, von wo aus er sich langsam über die ganze Welt verteilte.[2] Im heutigen Europa traf er dabei auf den Neandertaler, der daraufhin bald verschwindet. Er mach jedoch auch heute vermutlich noch etwa zwei Prozent unseres Erbguts aus.[3] Die neolithische Revolution setzte je nach Region etwa 10000 bis 5000 v. Chr. ein. Dies bedeutete den Wandel des Menschen vom Jäger und Sammler hin zu Bauern und Viehzüchtern. Der Beginn der Sesshaftigkeit. 
Am Anfang seiner Entwicklung ernährte sich der Mensch noch hauptsächlich von Blättern, Früchten, Samen, Nüssen, Wurzeln oder Insekten. Im Laufe der Zeit kamen mit der Verwendung des Feuers, Fleisch und später auch Fisch dazu.[4] Der Mensch hat also, frühere Arten als der Homo Sapiens eingeschlossen, in seinen etwa zwei Millionen Jahren Existenz erst vor rund 12.000 Jahren begonnen, seine Ernährung ein klein wenig umzustellen. Und dies wird im Zuge der industriellen Revolution, die vor rund 200 Jahren ihren Anfang nahm, noch entscheidender tun – doch dazu kommen wir später.
Verschiedene Gemüsesorten, als Symbol für gesunde Ernährung.
Die Kost der frühen Menschen hat unsere biologischen Voraussetzungen geprägt, ihre Ernährung hatte einen niedrigen glykämischen Index, der Blutzuckerspiegel stieg also nach der steinzeitlichen Nahrungszufuhr nicht stark an – damit blieb der Insulinspiegel niedrig. Zusätzlich enthielt die Nahrungszusammenstellung ein gutes Verhältnis der Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren. Man darf dabei aber auch nicht vergessen, wie mobil Jäger und Sammler waren – die längste Zeit unserer Geschichte verbrachten wir in ständiger Bewegung. Das lange Sitzen ist also eine moderne menschliche Gewohnheit.[5] 
In Verbindung mit unserer Evolution stellt sich zudem auch immer wieder die Frage, ob wir Menschen nun tendenziell Fleischfresser oder Vegetarier sind. Weder noch – ein Blick auf unser Gebiss und die Länge unseres Darms lässt darauf schließen, dass wir die optimalen Voraussetzungen für Mischernährung haben. Reine Fleischfresser besitzen beispielsweise die Fähigkeit, Vitamin C selbst herzustellen und nicht mit der Nahrung zu sich nehmen zu müssen. Wir Menschen benötigen dafür die Zufuhr durch beispielsweise Gemüse und Obst. Doch war das Fleisch wild lebender Tiere in menschlicher Urzeit im Vergleich zur heutigen Tierzucht von viel niedrigerem Fettgehalt. Ebenso war der Anteil fleischhaltiger Nahrung geringer als der des heutigen Durchschnittsmenschen.[6]

2. Die neolithische Revolution 

Mit der Abkehr vom Jäger- und Sammlerdasein haben die Menschen begonnen, sesshaft zu werden. Permanente Siedlungen, der Anbau von Nutzpflanzen und die Haltung von Haustieren waren ab nun der neue Standard. Die größte Änderung in der menschlichen Ernährung war in dieser Phase die Kultivierung von Getreidesorten, zunächst im Gebiet des Nahen Ostens. In Europa wurden zunächst Einkorn und Emmer angebaut, zusätzlich zu den Hauptgemüsesorten Erbsen und Linsen. Schweine, Ziegen, Rinder und Schafe wurden gehalten, wobei die Verwertung der Milch für die menschliche Ernährung anfangs vermutlich nur eine kleine Rolle spielte.[7]
Weizenhalme als Veranschaulichung der Getreidewirtschaft, als Entwicklungsstufe der menschlichen Ernährung.

3. Columbian Exchange – die erste Globalisierung der Ernährung

In verschiedenen Regionen der Welt wurde etwa zur selben Zeit mit der Kultivierung von Getreide begonnen. Aus dem Einkorn und Emmer gingen die Sorten Dinkel und Weizen hervor, auch Gerste wurde angebaut. Diese Sorten waren zunächst im Nahen Osten, später dann in Europa und Afrika beheimatet. In China begann zeitgleich der Reis-, im heutigen Mexiko der Maisanbau.[8] Viele Jahrhunderte lang war der Austausch von Nahrungsmitteln zwischen den Weltregionen spärlich, doch vor allem ab dem Eintreffen der Europäer in Amerika kamen neue Speisen als Teil des sogenannten Columbian Exchange auf den Tisch. War die europäische Esskultur bis dahin noch stark von Getreidebreien, Hülsenfrüchten, Kraut, Kohl und natürlich Fleisch und Fisch geprägt, wurde das Nahrungsmittelangebot ab dem 16. Jahrhundert bunter. Aus heutiger Sicht nicht wegzudenken, jedoch auf europäischen Tellern erst seit ein paar hundert Jahren zu finden, sind etwa Kartoffeln, Tomaten, Mais, Kürbis, Zucchini, Kakaobohnen, Paprika und Aubergine. Im Gegenzug kamen Weizen, Rinder und Schafe sowie Kaffeebohnen und Zuckerrohr nach Amerika.[9]

4. Die industrielle Revolution – Ein erneuter Wandel in der Ernährung

Bunte und volle Supermarktregale. Ein Symbol für das Übermaß an Lebensmitteln.
Die industrielle Revolution nahm anschließend vor allem ab dem neunzehnten Jahrhundert, aus Europa ausgehend, starken Einfluss auf die Essgewohnheiten der Menschheit. Mit dem Einsatz von landwirtschaftlichen Maschinen wurden die Anbauflächen größer und eine Lebensmittelindustrie entstand, die immer mehr von Monokulturen und langen Transportwegen unserer Nahrung geprägt war. Das hatte zwar den Vorteil, dass die in dieser Zeit stark anwachsende Bevölkerung leichter ernährt werden konnte, die Qualität und der Nährstoffgehalt des Essens nahm zur gleichen Zeit jedoch ab. Durch Methoden zur Haltbarmachung wurden Konserven entwickelt und das Tiefkühlen von Nahrung möglich gemacht. Außerdem wurde die industrielle Zuckerherstellung gestartet, das hat zur Folge, dass die Menschheit heute so viel Zucker wie noch nie zuvor zu sich nimmt.[10] Vor allem im letzten Jahrhundert hat die Lebensmittelindustrie dafür gesorgt, dass immer mehr hochverarbeitete Lebensmittel, also beispielsweise Fertigessen, das mehrere Verarbeitungsschritte durchlaufen hat und durch die Zugabe von Zusatzstoffen geprägt ist, auf den Tisch kommen und die landwirtschaftlichen Böden an Nährstoffmangel leiden. 

In unserem Artikel  >> Warum Supplements? <<  gehen wir genauer darauf ein! 

Das hat negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und sorgt dafür, dass wir uns immer weiter von unserer natürlich passenden Ernährung entfernen. Zusätzlich wird seit der Mitte des letzten Jahrhunderts, vor allem in den westlichen Industrieländern, viel zu viel Fleisch konsumiert, was auch die Umwelt stark belastet.

Auch hierzu haben wir einen Artikel >> Vegane und vegetarische Ernährung <<

5. Fazit

Stellen wir uns vor, der Mensch wäre einen Tag alt, dann hätte er sich etwa bis 23 Uhr 55 steinzeitlich ernährt, also in den letzten 5 Minuten den Ackerbau und die Kultivierung von Getreidesorten entdeckt. Moderne Ernährungsweisen wie Fastfood, Fertigessen, industrielle Landwirtschaft und Haltbarmachung im großen Stil wären demnach erst vor ein paar Sekunden entstanden. 

Das soll jetzt nicht heißen, dass wir uns ganz einer steinzeitlichen Ernährung hingeben müssen, doch daran orientieren kann sicher kein Fehler sein – denn im Grunde geht es ja bloß darum, viel regionales Gemüse zu essen, gefolgt von Obst, Hülsenfrüchten und Nüssen. Anteilig etwas weniger folgen dann tierische Produkte, danach Getreidesorten und den geringsten Teil unserer Nahrung sollten Süßspeisen und Alkohol einnehmen. Bewegen wir uns dazu noch ausreichend, unterscheiden wir uns gar nicht mehr so stark von unseren Vorfahren und das Risiko für Diabetes, Herzkreislauferkrankungen sinkt. Back to Nature ist die Devise und manchmal gar nicht so schwer, wie wir denken. 
Grafik der Ernährungspyramide von Brickx.
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